Friday, November 10, 2006

Verspätung

Das japanische öffentliche Verkehrsnetz ist bekanntermaßen ja nicht nur sehr gut ausgebaut, sondern auch für seine Pünktlichkeit berühmt. So berühmt, dass Zugführer auch schon mal das Risiko einer Entgleisung eingehen, um 1 Minute Verspätung aufzuholen... Aber das ist nun wirklich ein Extremfall.

Etwas häufiger kommt es dann schon vor, dass es einen sogenannten "Unfall" gibt, was in der Regel bedeutet, dass sich jemand vor den Zug geworfen hat. Die Japaner leben ja für die Gemeinschaft und tun in der Regel alles, um mit der Gruppe konform zu gehen. Ist die Verzweiflung dann so groß, dass jemand zum letzten Mittel greift, dann tut er es gerne zu den Stoßzeiten, frei nach dem Motto "Ich habe mein ganzes Leben immer auf alle anderen Rücksicht genommen, jetzt sollen wenigstens am Ende die anderen mich mal so richtig zur Kenntnis nehmen."

Und wir können bestätigen: das funktioniert! So ein "Unfall" legt auf der betroffenen Strecke nahezu alles lahm und führt zu stundenlangen Verzögerungen und einem immensen Chaos. Wenn man bedenkt, wie viele Millionen Menschen täglich durch Tokyo transportiert werden, dann ist es nicht verwunderlich, dass schon das Ausfallen
eines einzelnen Zuges ewig lange Schlangen auf den Bahnsteigen und noch längere Wartezeiten auf die Züge und in den vollen Zügen verursacht. (Übrigens: der Zug auf dem Foto war zwar wirklich voll, nicht zu vergleichen aber mit den Zügen unserer U-Bahnlinie (Tozai-line) morgens zur Stoßzeit, wenn Jean-Philippe ins Büro und ich zum Goetheinstitut muss. Da wird es schon mal noch um einiges enger... Der Bahnsteig allerdings ist auch in der Stoßzeit normalerweise nicht sooo voll.)

Die Japaner können mit solchen Situationen recht gut umgehen, da sie ja von Haus aus geduldige Menschen sind und zudem permanent durch das Personal über Lautsprecher über den Stand der Dinge informiert werden. Für uns ist es in sofern etwas schwieriger, da wir zum einen generell sehr viel schneller genervt sind als die Japaner und zum anderen wir die Ansagen auf den Bahnsteigen nicht verstehen und erstmal jemanden suchen müssen, der uns auf englisch erklären kann, was denn eigentlich los ist. Das ist dann einer der wenigen Momente, in dem wir es bedauern, dass wir uns mit dem Japanischen nicht ein bisschen mehr Mühe gegeben haben. Aber was soll's, solange man wenigstens überhaupt dahin kommt, wo man hin will, ist es ja auch egal, ob es 10 Minunten oder über eine Stunde dauert...

Usually the japanese trains are very punctual and you can exactly
plan how long you will need to go from one point in Tokyo to another. Unfortunately sometimes an "accident" causes many delays. In such a case it is normal that you need over one hour for a way which usually takes you 10 minutes. But if we look how many people use the train in Tokyo it is no wonder, that only one missing train is causing a big waiting time and many people on the quai. Japanese people deal very well with such a situation. I think they are very patient people and don't get mad so easily like western people. And they also understand the speaker on the quai, so that they always know what is going on. In such a situationJean-Philippe and I regret that we didn't work harder on our japanese because we always have to look for someone who speaks english to get the information we need. But even if it takes more time to arrive at the destination, the important point is, that we arrive!

Tuesday, November 07, 2006

Shinjuku von oben

Eine kleine Ansicht Tokyo von oben. Nein, die Linse unserer Kamera ist in Ordnung - ja richtig, es ist ein Puzzle. Mein Hobby nur allzugut kennend hat mir meine Mama ein Puzzle von Shinjuku geschenkt und ich konnte mich natürlich nicht zurückhalten und musste es auch gleich machen.
Man muss aber auch immer wieder zugeben, so von oben ist Tokyo - fränkisch ausgedrückt - einfach "ganz fandasdisch"!

Once again a picture from Tokyo view from the sky. No, this is no bad picture - yes, it is a puzzle. As my mother knows that I like Puzzles very much, she offered me one from Shinjuku and of course I had to do it immediately. And Tokyo from above is really nice, speaking with my mother "fantastic".

Friday, November 03, 2006

Shimbashi und Palette Town

Vorletzter Tag mit meinen Eltern und ein wunderschönes Wetter. Da ist es natürlich selbstverständlich, dass wir uns in unserem Lieblingsrestaurant in Shimabashi im 42. Stockwerk zum Brunchen wiederfinden. Die Sicht ist zwar nicht super, aber man bekommt doch einen Eindruck von der Größe und der Ausdehnung Tokyos. Und obwohl wir jetzt schon das fünfte Mal da sind, sind wir doch wieder beeindruckt.
Beim anschließenden Spaziergang war es allerdings ein Wunder, dass wir nicht alle Nackenschmerzen bekommen haben, vom vielen "in den Himmel gucken". Vor allem Mama und Papa waren nur noch in dieser Haltung unterwegs. Am meisten hat uns ein Gebäude beeindruckt, das von einer Seite aussieht wie ein Blatt Papier, so flach ragt es in den Himmel.
Ein weiteres Highlight war dann die Fahrt mit dem automatisch gesteuerten Zug, der nur auf einer Schiene fährt. Natürlich mussten wir ganz vorne mitfahren und haben die Sicht zuerst auf die Rainbowbridge und die anschließende Fahrt über diese Brücke wirklich genossen. Ich weiß gar nicht, warum wir das nicht schon früher gemacht haben, es war wirklich ein Erlebnis und ist allen, die Tokyo besichtigen absolut zu empfehlen.
Ankunft ist dann in Palette Town, wo man gemütlich einen Kaffee schlürfen kann und noch ein wenig shoppen oder zumindest durch das Einkaufszentrum bummeln. Die Decke der Mall ist bemalt wie ein Himmel und die Gänge mit den kleinen Geschäften sind angelegt wie eine kleine südliche Stadt. Und das Ganze immer wohltemperiert bei 25 Grad und schönem Wetter!
Etwas enttäuscht waren wir dann nur, dass wir von Palettetown nicht mit dem Boot bis in den nahe an unserer Wohnung gelegenen Park fahren konnten. Wir haben das letztes Jahr gemacht, aber inzwischen wurde diese Strecke wohl eingestellt und es fuhren keine Boote mehr.
Und so sind wir dann halt mit Bus und U-Bahn nach Hause gefahren und haben diesen tollen Tag noch mit einem Glas Sekt ausklingen lassen.
Übrigens, noch so am Rande: ich möchte hier, wie gesagt, nur das beschreiben, was mir von den Unternehmungen, die wir mit meinen Eltern gemacht haben, am besten gefallen hat. Wenn ich anfange, all das zu beschreiben, was meine Eltern beeindruckt hat, dann habe ich keinen Platz mehr auf dem Blog: sie waren von Japan begeistert.

The last Saturday with my parents we went to Shimbashi and had brunch in the 42. floor. The view was very nice and we could see once more how big is Tokyo. After eating we went around in Shiodome and were really impressed by all the tall buildings. One of them appears really small from one side, like a piece of paper. So we were always looking in the sky, and I am really suprised that our neck didn't ache after that...
One of the highlights of the day was the trip with the monorail from Shiodome to Palettetown during that you get over the Rainbowbridge. Unfortunately in Palettetown we couldn't take a boat to Kasai Rinkai Kohen, because there are no boats any more. But we had a coffee and walked around in the shopping mall which is made like a village in Europe, very nice.
This sightseeing tour was really good!

Wednesday, November 01, 2006

Chiba - schlafender Buddha

Am Sonntag haben wir uns dann ein Auto gemietet und sind ein wenig über Land gefahren. Einen ersten Stopp haben wir an einem Leuchturm eingelegt, dem gegenüber ein Friedhof am Hang lag. Ich denke, dieser kleine Friedhof hat meinen Papa am meisten fasziniert.

Es hatte sowieso jeder auf dieser Fahrt so seine ganz persönlichen
Highlights. Jean-Philippe konnte seinen Blick nicht mehr vom herbstlich bewegten Meer abwenden, meine Mama war von den japanischen Häusern angetan und ich fand meine kleine Ruhepause als wir zu der Bronzestatue eines schlafenden Buddha kamen.

Wir mussten erst eine Weile suchen, bis wir gefunden haben, wir man dorthin kommt. Die Statue war versteckt auf einer kleinen Anhöhe in einem Dorf, von wo man einen schönen Blick bis zum Meer hatte. Obwohl Sonntag
war, gab es fast niemand dort und die Dame, die am Eingang stand, hat uns genau erklärt, was man an dieser religiösen Stätte machen muss. Es war das erste Mal, dass wir in ein Ritual eingewiesen wurden und es hat uns umso mehr gefreut, da wir sonst eher das Gefühl haben, dass die Japaner nicht viel von ihrer Religion (oder ihren Religionen) wissen und ihnen das auch ziemlich egal ist. Wir sind dann dreimal um den Buddha rumgelaufen, bis wir schließlich vor seinen Füßen standen, uns viermal verneigen mussten und die Stirn und die Füße berührten (oder so ähnlich, wir haben nicht alles der japanischen Erklärungen verstanden, aber wir haben uns bemüht, alles richtig zu machen). Dieser Ort strahlte so einen Frieden aus, dass ich noch eine ganze Weile hätte bleiben können.

Am Ausgang stand dann eine "Teemaschine" bereit und zwar eine echte! Kein moderner Apparat, sondern das Wasser wurde wirklich durch ein Sieb mit grünem Tee gebrüht. Und so konnten wir noch eine kleine Pause bei Tee und schöner Aussicht einlegen.

The sunday with my parents in Chiba we rent a car in Tateyama and we drove in the south of the peninsula. We wanted just see the japanese coutryside and we found what we were looking for. Specially my mother liked very much the japanese houses while Jean-Philippe was fascinated by the pacific ocean. This sunday the weather was already like in autumn and
the sea was very agitated. My father wanted to stop at a little old cimitery from which we could see a light house and the sea. My favorite was a big statue of a lying Buddha on the top of a little mountain. There was almost nobody and the responsible could tell us how to do the ritual. We didn't understand everything but we turned around the statue three times until we were in front of the feet which we touched four times and we made a wish. This place was so peaceful that I could have stayed there for hours. At the entrance we could have a cup of green tea which was made in an old machine where you could even see the tealeafs. Very nice!